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12.8.2012

Sternschnuppen-Regen: Maximum am Sonntag

Andreas von Rétyi

Aufs Wochenende erreicht der legendäre Sternschnuppen-Regen der »Perseiden« sein Maximum. Da der Mond erst spät aufgeht, ist bei klarem Himmel dieses Jahr mit einer guten Sichtbarkeit des Phänomens zu rechnen. Am Sonntagabend dürfte die Fallrate besonders hoch sein. Die Meteore gehen auf einen Kometen zurück, durch dessen Bahnregionen die Erde kreuzt.

Wenn das diesen »Sommer« wieder auffallend unstete Wetter mitmacht, wird vor allem die Nacht von Sonntag auf Montag ein interessantes Schauspiel bieten. Es ist sozusagen die »Nacht der fallenden Sterne«: Der Meteorschauer der Perseiden, im Volksmund als »Tränen des Laurentius« bekannt, dürfte wieder für zahlreiche Sternschnuppen sorgen. Er gilt als auffallendster Meteorstrom des Jahres.

Jedes Jahr im Juli nimmt die Rate an Meteoren bereits zu, und wer die Bahnen der Leuchtspuren am Himmel zurückverfolgt, wird dann häufig im Sternbild Perseus ankommen. Genau von hier scheinen diese Meteore auszugehen, daher der Name. Allmählich wandert unser Planet in die Bahn des Kometen Swift-Tuttle hinein, die angefüllt ist mit kosmischen Staubteilchen. Sie stammen aus dem eisigen Kern des Kometen. Wie das passiert, ist klar: Sobald sich das gefrorene Objekt aus der Tiefe des Raumes ins innere Planetensystem bewegt und somit auch unserer Sonne deutlich annähert, verdampft das Oberflächenmaterial. Das freiwerdende Gas reißt große Mengen an Staub mit. Erst dadurch wird ein Komet zu dem, was man sich eigentlich auch so einem Objekt vorstellt. Um seinen ziemlich kleinen Kern herum bildet sich eine ausgedehnte Gas-Staub-Hülle. Sonnenlicht und -wind tun das Ihrige, sie blasen die Teilchen aus der kugelförmigen Wolke hinaus, bis schließlich auch das berühmte Markenzeichen von Kometen entsteht, der lange Schweif, weshalb sie vor allem in früheren Zeiten gerne auch »Schweifsterne« oder »Haarsterne« genannt wurden.

Der Staub von Swift-Tuttle verteilt sich mit der Zeit mehr und mehr über dessen Bahn. Jedes Jahr einmal wandert die Erde durch diese Region. Es hagelt kosmischen Staub, Meteore blitzen in der Atmosphäre auf. Sie rasen mit Geschwindigkeiten von immerhin rund 200 000 Kilometer pro Stunde heran. Die Reibungshitze regt die umgebende Lufthülle zum Leuchten an, deshalb erzeugen die selbst meist sehr kleinen Teilchen so helle Leuchtspuren. Schon ein Partikelchen von der Größe eines Reiskorns liefert eine gut sichtbare Schnuppe. Mitte August dringt die Erde in die dichteren Regionen des kosmischen Trümmerfelds von Swift-Tuttle ein. In Spitzenzeiten können dann mit Glück über 100 Meteoren pro Stunde beobachtet werden. Als der etwa 10 bis 15 Kilometer große Kometenkern, Umlaufzeit rund 133 Jahre, uns im Jahr 1993 besonders nahe war, gab es einen außergewöhnlich heftigen Perseidenschauer. Damals wurden sogar im Maximum 350 Meteore pro Stunde gezählt.

Auf ihrem Weg um die Sonne bewegt sich die Erde jetzt genau in Richtung des Sternbilds Perseus. Deshalb wirkt es so, als ob die Meteore allesamt von dort auf uns zurasen. Der Effekt gleicht der Fahrt durchs Schneegestöber: Hier sind es eben die Schneeflocken, die immer aus der Fahrtrichtung entgegenzukommen scheinen.

Der Perseus geht gegenwärtig zu später Stunde über dem Osthorizont auf, doch erscheinen die Meteore über weite Himmelsbereiche. Es spielt also keine große Rolle, dass der Ausgangspunkt oder Radiant der Schnuppen nicht hoch am Himmel steht. Für Mitteleuropa wird das Maximum diesmal gegen 15.00 Uhr nachmittags erwartet, also wenn es noch taghell ist. Weil das Perseidenmaximum zeitlich breit ausfällt, darf während der nächsten Tage auf jeden Fall noch mit hoher »Schnuppenaktivität« gerechnet werden.

Schon alte Überlieferungen enthalten Schilderungen des kosmischen »Sternenregens«. In China verzeichneten kaiserliche Astronomen das Ereignis bereits im Jahr 36 n. Chr. Beobachtet wird es aber wohl seit noch früheren Zeiten. Den Kometen selbst beobachteten die asiatischen Gelehrten immerhin bereits im Jahr 69 v. Chr. Hofastronomen und Sterndeuter lebten seinerzeit teils richtig gefährlich, zumindest, wenn sie versäumten, wichtige Himmelsereignisse vorherzusagen. Die bereits kalkulierbaren Finsternisse von Sonne und Mond mussten sie ankündigen. Eine Geschichte aus dem alten China berichtet von zwei kaiserlichen Astronomen, die hingerichtet wurden, weil sie angeblich aus Trunksucht verschlafen hätten, eine Finsternis zu berechnen. Auch die Perseiden haben mit Mord zu tun: Als der Märtyrer Laurentius am 10. August des Jahres 258 umgebracht wurde, deutete man nämlich die kurz darauf verstärkt auftretenden Meteore als himmlische Tränen, daher ihr volkstümlicher Name. Im Lauf der Jahrhunderte gab es auch auf unserem Kontinent immer wieder beeindruckende Berichte über die Perseiden. Alte Chroniken hielten das Ereignis oft als himmlisches Zeichen fest. Die erste dokumentierte Sichtung in Europa stammt aus dem Jahr 811. Von da an ist regelmäßig von den Perseiden zu lesen.

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